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TV-Programm 01. März 2010
 

22:55

bis

00:32

2010-03-01T22:59:57+01:00 2010-03-02T00:32:31+01:00

Laufzeit: 1h 33' · VPS: 22:55

Delikatessen / Free-TV-Premiere

Faul im Staate Dänemark

(Hvordan vi slipper af med de andre / How to Get Rid of the Others)
Dänemark in der Zukunft. Gerda (Lene Tiemroth) kann es nicht fassen: Nur Minuten nachdem sich die betrunkene Rollstuhlfahrerin bei Sozialamt über ausbleibende Hilfe beklagt hat - die Batterien ihres Rollstuhls haben den Geist aufgegeben -, taucht am Himmel auch schon ein Helikopter auf. Doch nicht Rettung naht, vielmehr wird Gerda von schussbereiten Soldaten zum Verhör in ein Internierungslager geflogen. Seit geraumer Zeit werden dort, auf Veranlassung des dänischen Parlaments, all jene, welche den Staat mehr kosten als sie einbringen, festgesetzt und einem Verhör unterzogen. Sollte sich der Verdacht auf Sozialschmarotzertum erhärten, wird der oder die Überführte kurzerhand erschossen.

Eingeschlossen in ein Schulzimmer wartet so Gerda zusammen mit dem dauerfluchenden Punker China (Rasmus Botoft), den beiden Pattaya-Frührentnern Nancy (Lene Poulsen) und John (Poul Glargaard), der stillen Aussenseiterin Melanie (Marie Caroline Schjeldal), dem finsteren Hooligan Christian (Søren Pilmark) und dem Künstler und Totalversager Ole (Tommy Kenter) auf ihren Prozess. Als plötzlich Sidse (Louise Mieritz) in den Raum gestossen wird, verändert sich die Tonlage. Engagiert versucht die Widerstandskämpferin der «Mandela»-Bewegung, ihre Mitgefangenen auf das Verhör vorzubereiten. Sie kennt die besten Argumente gegen eine Verurteilung, denn Sidse hat, wie sie später einmal reumütig bekennt, federführend an den fatalen Gesetzen mitgearbeitet. Doch was sie nicht ahnt: Ihr Richter hat sich unerkannt unter die Gefangenen gemischt.

Vordergründig entwickelt Regisseur Anders Rønnow-Klarlund mit «How To Get Rid of The Others» das Zukunftsbild eines faschistischen Dänemarks mit Konzentrationslagern, mörderischen Militärs und eines Ausnahmezustandes, dem sich der Staat bedient, um all jene abzumurksen, die nicht nützliches Glied der Gesellschaft sind. Auf den zweiten Blick aber ist seine Satire auch eine Abrechnung mit dem skandinavischen Modell von Sozialstaat, wo Nützlichkeitsdenken und Konformitätsdruck zu Ende gedacht ebenfalls zu bösen Resultaten führen könnten.

Bestes Beispiel für diesen temperierten Faschismus ist im Film der von Søren Fauli («Mifune») gespielte sozialdemokratische Abgeordnete Folke, der als gefühlvoller Beisitzer während der Verhöre dafür sorgt, dass nur eindeutig Überführte hingerichtet werden. Glasklar autoritär ist dagegen das Gebaren des von Søren Pilmark dargestellten Militärs, welcher unparteiisch und regungslos die befohlene Eliminierung von Sozialschmarotzern vorantreibt.

Als Gegenbild fungiert Sidse, welche als Widerstandskämpferin den Opfern der von ihr selbst geschaffenen Gesetze die Flucht nach Afrika (!) ermöglichen will. Mittendrin sitzen all jene fest, die als Randständige und Unproduktive dem Staat ein Dorn im Auge sind. Doch, und hier ist Rønnow-Klarlund illusionslos, schweisst die Verdammten der Tod vor Augen nicht zur Schicksalsgemeinschaft zusammen, sondern fördert lediglich deren Selbstzerfleischung, was dem Staat in letzter Konsequenz sogar noch die mörderische Drecksarbeit abnimmt.
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Gnadenloser Vollstrecker

Søren Pilmark als Christian

OmU

Spielfilm · DK 2007

Dänemark, in naher Zukunft. Vom Parlament abgesegnet wird jeder, der den Staat mehr kostet, als er ihm einbringt (Alkoholiker, Arbeitslose, aber auch erfolglose staatssubventionierte Künstler) vom Militär eingesammelt, interniert, verhört und - falls sich der Verdacht bestätigt - kurzerhand eliminiert. Doch Widerstand formiert sich, und die «Mandela»-Bewegung versucht Totgeweihte zu sammeln und nach Afrika in Sicherheit zu bringen. In der kruden dänischen Satire «How to Get Rid of the Others» aus Lars von Triers Filmschmiede Zentropa spielen von-Trier-Schauspieler wie Søren Pilmark («The Kingdom») oder Louise Mieritz («Idioten») Hauptrollen; geschrieben und inszeniert hat die filmische Provokation Anders Rønnow Klarlund. Das Schweizer Fernsehen zeigt «How to Get Rid of The Others» im Rahmen von Delikatessen in der deutsch untertitelten Originalfassung.

Dänemark in der Zukunft. Gerda (Lene Tiemroth) kann es nicht fassen: Nur Minuten nachdem sich die betrunkene Rollstuhlfahrerin bei Sozialamt über ausbleibende Hilfe beklagt hat - die Batterien ihres Rollstuhls haben den Geist aufgegeben -, taucht am Himmel auch schon ein Helikopter auf. Doch nicht Rettung naht, vielmehr wird Gerda von schussbereiten Soldaten zum Verhör in ein Internierungslager geflogen. Seit geraumer Zeit werden dort, auf Veranlassung des dänischen Parlaments, all jene, welche den Staat mehr kosten als sie einbringen, festgesetzt und einem Verhör unterzogen. Sollte sich der Verdacht auf Sozialschmarotzertum erhärten, wird der oder die Überführte kurzerhand erschossen.

Eingeschlossen in ein Schulzimmer wartet so Gerda zusammen mit dem dauerfluchenden Punker China (Rasmus Botoft), den beiden Pattaya-Frührentnern Nancy (Lene Poulsen) und John (Poul Glargaard), der stillen Aussenseiterin Melanie (Marie Caroline Schjeldal), dem finsteren Hooligan Christian (Søren Pilmark) und dem Künstler und Totalversager Ole (Tommy Kenter) auf ihren Prozess. Als plötzlich Sidse (Louise Mieritz) in den Raum gestossen wird, verändert sich die Tonlage. Engagiert versucht die Widerstandskämpferin der «Mandela»-Bewegung, ihre Mitgefangenen auf das Verhör vorzubereiten. Sie kennt die besten Argumente gegen eine Verurteilung, denn Sidse hat, wie sie später einmal reumütig bekennt, federführend an den fatalen Gesetzen mitgearbeitet. Doch was sie nicht ahnt: Ihr Richter hat sich unerkannt unter die Gefangenen gemischt.

Vordergründig entwickelt Regisseur Anders Rønnow-Klarlund mit «How To Get Rid of The Others» das Zukunftsbild eines faschistischen Dänemarks mit Konzentrationslagern, mörderischen Militärs und eines Ausnahmezustandes, dem sich der Staat bedient, um all jene abzumurksen, die nicht nützliches Glied der Gesellschaft sind. Auf den zweiten Blick aber ist seine Satire auch eine Abrechnung mit dem skandinavischen Modell von Sozialstaat, wo Nützlichkeitsdenken und Konformitätsdruck zu Ende gedacht ebenfalls zu bösen Resultaten führen könnten.

Bestes Beispiel für diesen temperierten Faschismus ist im Film der von Søren Fauli («Mifune») gespielte sozialdemokratische Abgeordnete Folke, der als gefühlvoller Beisitzer während der Verhöre dafür sorgt, dass nur eindeutig Überführte hingerichtet werden. Glasklar autoritär ist dagegen das Gebaren des von Søren Pilmark dargestellten Militärs, welcher unparteiisch und regungslos die befohlene Eliminierung von Sozialschmarotzern vorantreibt.

Als Gegenbild fungiert Sidse, welche als Widerstandskämpferin den Opfern der von ihr selbst geschaffenen Gesetze die Flucht nach Afrika (!) ermöglichen will. Mittendrin sitzen all jene fest, die als Randständige und Unproduktive dem Staat ein Dorn im Auge sind. Doch, und hier ist Rønnow-Klarlund illusionslos, schweisst die Verdammten der Tod vor Augen nicht zur Schicksalsgemeinschaft zusammen, sondern fördert lediglich deren Selbstzerfleischung, was dem Staat in letzter Konsequenz sogar noch die mörderische Drecksarbeit abnimmt.

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