Für Florian (Fabian Hinrichs) ist die Zahlenfolge 66/67 die wichtigste überhaupt, er hat sie sogar auf die Brust tätowiert. Sie benennt die einzige Meistersaison von Eintracht Braunschweig in der Ersten Bundesliga, jenem Verein, der für Florian und seine fünf Freunde alles bedeutet. Das halbe Dutzend sympathischer Kerle Anfang 30 ist der trotzige Rest einer einst mächtigen Hooligan-Clique, aus der gerade wieder einer erbärmlich ausgestiegen ist. Sie glauben noch immer, dass sich bei ihnen alles nur um Fussball drehe, dabei sind längst existenzielle Probleme des Erwachsenenlebens eingesickert.
So droht Florian an seiner bevorstehenden Karriere im Familienunternehmen zu zerbrechen. Christian (Christian Ahlers) sieht seinen minutiös entworfenen Liebes- und Lebensplan scheitern, als ihn seine Freundin vor versammeltem Stadionpublikum demütigt. Und der wegen eines Einbruchs vom Dienst suspendierte Polizist Henning (Maxim Mehmet) stösst darauf, dass Kumpel Otto (Christoph Bach) seinen treusten Freunden etwas Unglaubliches verheimlicht. Als selbst ein brutaler Überfall auf gegnerische Fans kein Zusammengehörigkeitsgefühl mehr stiftet, müssen Florian und seine Freunde sich die Frage stellen, ob ihr lebenslanger Bund nicht längst am Ende ist.
Mit seinen eigenen Erfahrungen als Eintracht-Fan erzählt der gebürtige Braunschweiger Carsten Ludwig eine Geschichte, die sich ebenso gut unter Schweizer Fans zutragen könnte. Der Film spricht die Schwierigkeiten junger Männer mit dem Erwachsenwerden an: die Zerrissenheit der Fans zwischen ihrem Schwur ewiger Loyalität und der Erkenntnis, dass der Sportverein und die Fan-Clique unmöglich für immer an erster Stelle stehen können.
Gleichwohl vermittelt "66/67 - Fairplay war gestern" auch ein Gefühl für die Brüderlichkeit und die Faszination, die eine solche Bande auf die Mitglieder ausüben kann. Das Hooligans kritisch gesonnene Drama ist einer der seltenen für Fussballfans ernst zu nehmenden Filme, hat aber auch am Sport wenig Interessierten viel zu bieten.
Die Regisseure Jan-Christoph Glaser und Carsten Ludwig haben 2009 mit "66/67 - Fairplay war gestern" am Zürcher Filmfestival die Auszeichnung für den Besten deutschsprachigen Film gewonnen und wurden für den Grimme-Preis nominiert.