In einem entlegenen marokkanischen Bergdorf kauft ein Ziegenhirte ein Gewehr für seine beiden Söhnen, zur Vertreibung der Schakale. Die beiden beginnen gleich, die Waffe auszutesten. Als der Jüngere (Boubker Ait El Caid) gedankenlos einen weit unten im Tal fahrenden Bus anvisiert, nimmt das Drama seinen Anfang: Die US-amerikanische Touristin Susan (Cate Blanchett) bricht schwer verletzt zusammen. Weitab von jeder ärztlichen Versorgung versucht ihr Mann Richard (Brad Pitt) verzweifelt, das Leben seiner Frau zu retten.
Kurz darauf im Zuhause des Paares in San Diego: Das mexikanische Kindermädchen (Adriana Barraza) sieht sich gezwungen, die geplante Reise zur Hochzeit ihres Sohnes abzusagen, denn niemand kann die Kinder von Richard und Susan kurzfristig aufnehmen. Auf Drängen ihres Neffen Santiago (Gael García Bernal) entschliesst sie sich, die Fahrt doch anzutreten und die beiden kurzerhand mit nach Mexiko zu nehmen. Als Santiago am frühen Morgen nach dem Fest seine Tante und die beiden US-amerikanischen Kindern über die Grenze zurück in die Staaten bringen will, kommt es zu einem folgenschweren Drama.
Die Medien berichten währenddessen weltweit über das vermeintliche Attentat auf die Touristin aus den Staaten im marokkanischen Hinterland. Chieko, ein taubstummes Teenager-Mädchen im fernen Tokio, interessiert die mediale Aufregung nicht - sie ist viel zu sehr mit sich selber beschäftigt und versucht mit allen Mitteln, endlich entjungfert zu werden. Ihr Vater ahnt nichts von ihren Nöten, die beiden leben aneinander vorbei. Doch bald schon müssen sie erkennen, dass der Gewehrschuss in Marokko auch Auswirkungen auf ihr Leben hat.
«Babel» ist der letzte Teil der Trilogie, die der mexikanische Regisseur Alejandro Gonzáles Iñárritu mit «Amores Perros» und «21 Gramm» begonnen hat. Sein Markenzeichen, die episodisch verschachtelte Erzählstruktur, bringt er in diesem weltumspannenden Drama zur höchsten Vollendung: Der Film spielt auf drei Kontinenten und in vier Ländern, es werden fünf Sprachen gesprochen. Das Problem der Unübersichtlichkeit wird vom Filmemacher meisterhaft gelöst: Jeder der Schauplätze ist anders in Szene gesetzt, mit dezent abgestimmter Farbgebung und unterschiedlichem Ton, so dass sich das Publikum immer zurechtfindet und der packenden Geschichte mühelos folgen kann.
Iñárritu zitiert mit «Babel» die biblische Geschichte, in der Gott die Menschen, die sich den Turmbau anmassen, bestraft und sie in alle Winde verstreut. Er erzählt von Zufällen und davon, wie Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund sich trotz der globalen Vernetzung der heutigen Welt noch immer nicht verstehen. Trotz der scheinbaren Überfülle an Themen - Immigration, Terrorismus, zwischenmenschliche Kommunikationsunfähigkeit -, die er in seinen Film packt, gelingt es Iñárritu, mit seinem ambitionierten Werk sein Publikum bis zur letzten Minute zu fesseln. Dazu tragen ebenso Stars wie Brad Pitt, Cate Blanchett und Gael García Bernal wie auch Laiendarsteller und unbekanntere Darsteller bei: Adriana Barraza als mexikanische Haushälter und Rinko Kikuchi als japanischer Teenager wurden beide für ihre tollen Leistungen für einen Oscar nominiert.